Morbus Menière

 

Von Dr. med Eberhard Biesinger
Facharzt für HNO-Heilkunde
Maxplatz 5
D-83278 Traunstein

Praxis Dr. Biesinger

auric Hörsysteme

tinnitus.de

European Tinnitus Association

www.kimm-ev.org

www.tinnitus-liga.de

Impressum

Bei der Menièr´schen Erkrankung handelt es sich um ein fest umschriebenes Krankheitsbild mit den Symtomen Druckgefühl im Ohr, Drehschwindel über Stunden einschließlich Erbrechen und zunehmender Schwerhörigkeit des betroffenen Ohres. Eine Variante des Morbus Menière ist das sogenannte Lermoyez-Syndrom, wobei die Patienten während des Drehschwindelanfalles eine Hörverbesserung beschreiben. Die genaue Ursache des Krankheitsbildes ist nicht bekannt, jedoch ist man sich heute sicher, daß die Auslösung der Schwindelanfälle und auch die Ursache der Schwerhörigkeit in einem sogenannten Hydrops des Innenohres, also einer pathologischen Druckerhöhung der Innenohrflüssigkeit zu suchen ist. Da man diese Pathomechanismen hierfür sehr gut kennt, besteht ein klares Konzept zur Behandlung des Morbus Menière. Oft beginnt die Krankheit mit einer Störung im Tieftonbereich und dem Anzeichen von Ohrdruck, bis dann die ersten Schwindelanfälle auftreten.


Bereits dieses Anfangsstadium sollte rasch richtig mit Medikamenten behandelt werden!
Die pharmakologische Therapie hat hierbei bereits große Fortschritte gemacht: es geht nicht nur um den Einsatz von altbekannten Medikamenten wie das Betahistin, das in Vasomotal® oder in Aequamen® enthalten ist. Die moderne medikamentöse Therapie setzt auf ganz bestimmte wassertreibende Mittel, die im Ohr wirken und auch auf den gezielten und kurzzeitigen Einsatz von Cortison. Das Cortison wird aber nicht mehr unbedingt in die Vene oder per Tabletten gegeben, sondern eleganterweise von dem erfahrenen undoperativ tätigen Hals-Nasen-Ohren-Arzt durch das Trommelfell direkt in das Mittelohr, von wo es in die Hörschnecke und das Gleichgewichtsorgan wandern kann. Durch diese Applikation werden die gefürchteten Nebenwirkungen vermieden.
Die Forschung ist aber derzeit fleißig dabei, neue Medikamente gegen den M. Menière zu entwickeln, sogar Sidenafil (Viagra®) hat Chancen: eine ernstzunehmende Studie der Firma Pfizer in Australien soll bald Ergebnisse bringen (Australische Studiennummer NCT00145483 ).

 

Wichtig:
Grundprinzip der Behandlung des M. Menière ist, daß Sie einen HNO-Arzt Ihres Vertrauens als dauerhaften Ansprechpartner haben!
Dieser soll möglichst das ganze Repertoire der Meniére-Behandlung, also die medikamentöse und operative Behandlungsformen beherrschen oder zumindest alles darüber wissen.
Da die Begleitung des Betroffenen immer mit dem Hausarzt koordiniert werden soll, muss dieser HNO-Arzt nicht unbedingt vor Ihrer Haustüre sitzen. Es reicht oft das Telefonat, um die richtigen Maßnahmen einzuleiten.


Halswirbelsäule, Kiefergelenk und "Psyche"
Funktionelle und strukturelle Probleme an der HWS und des Kiefergelenks haben eindeutig einen Einfluss auf die Anfallshäufigkeit. Deshalb gehört die Abklärung dieser Strukturen immer zur Diagnostik dazu. Daneben muss ein Blick auf Allergien, die Ernährung und Genussgifte geworfen werden. Dies alles erfordert eine spezielle Erfahrung und Ausbildung des Therapeuten auf diesem Gebiet - oder eben eine Teamarbeit.
Betrachtet man die Literatur, so fallen die vielen Artikel über die psychischen Belastungen der Betroffenen auf. Ja man gewinnt sogar bei manchen Artikeln den Eindruck, die "Psyche" des Patienten sei "schuld" an der lästigen Krankheit. Dem muss entschieden widersprochen werden! Ein solches Denken ruft unweigerlich bei dem Betroffenen ein Gefühl des Versagens hervor.
Die Menièr´sche Krankheit ist eine "echte" Krankheit des Innenohres und muss als solche auch primär behandelt werden!
Natürlich ist der Menière-Patient infolge der überfallartig einsetzenden Schwindelanfälle entsprechend verängstigt. Aus Sorge, diesen Zustand in der Öffentlichkeit zu erleiden, vernachlässigen fast alle Menièrepatienten ihr soziales Leben und ziehen sich zurück. Vereinsamung, Unsicherheit, Depression und Ängste sind die Folge.
Auch diese Symptome müssen natürlich erkannt und mitbehandelt werden, sonst bleiben sie als eigenständige Krankheiten übrig.
Sie sind aber niemals die primäre Ursache der Erkrankung!

Nach einer geglückten medizinischen Behandlung mit Beseitigung der Drehschwindelanfälle bleiben diese Probleme nicht selten zurück. Der Patient selbst kann sein Befinden dann meist nicht richtig ausdrücken, für ihn besteht weiterhin eine Unsicherheit, die gerne auch als "Schwindel" dargestellt wird. Dieser "Schwindel" ist jedoch unbestimmt und ganz anders als der für die Menièr´sche Krankheit typische Drehschwindel! Er ist Ausdruck der genannten Unsicherheit im psychischen Bereich und nur gut zu verstehen, da die Patienten oft jahrelang diesen als lebensbedrohlich empfundenen Attacken ausgesetzt waren. Aus diesem "Restzustand" nach Beseitigung der Drehschwindelanfälle resultiert nicht selten der Eindruck, die medizinische Behandlung hätte "versagt". Eine genaue Analyse der Symptome und eine psychologische Diagnostik durch speziell für diese Thematik geschulte Psychologen zeigt die Problematik schnell und gibt klare Handlungsstrategien, damit der Patient wieder zu einem normalen, unbeschwerten Leben im privaten und beruflichen Bereich zurückfinden kann.


Spezielle Behandlungsverfahren

Ist die Menièr´sche Krankheit richtig ausgebrochen und haben die medikamentösen Behandlungen nicht die Schwindelanfälle beseitigen können, setzt ein Stufenplan ein, der je nach Stadium der Erkrankung und der Anfallshäufigkeit die folgenden Maßnahmen beinhalten kann.
In der Literatur und im Internet wird der Leser häufig vorfinden, dass die operativen Verfahren umstritten sind. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass sie in der Literatur nur als isolierte Maßnahmen beurteilt wurden. Im individuellen Fall, und in der Einbindung in ein gesamtes Konzept, d.h. auch unter der Beachtung der konservativen Therapie und auch unter Beachtung der individuellen Erfahrung des beratenden Arztes und des ausführenden Arztes haben die operativen Maßnahmen ihre Bedeutung bei der Beseitigung der Schwindelanfälle.
Aus diesen Gründen ist die konstante Betreuung durch einen Arzt so wichtig!

Die Anlage eines Paukenröhrchens

Es mag irritierend erscheinen, aber bereits die Einlage eines Paukenröhrchens in das Trommelfell bringt manchen Patienten eine dauerhafte Beseitigung der Gleichgewichtsstörungen. Diese kleine Maßnahme kann mit örtlicher Betäubung durchführen. Das liegende Paukenröhrchen kann dann auch eleganterweise benutzt werden um Medikamente in das Mittelohr zu geben.

Die Labyrinthanästhesie

Ein neues Behandlungsverfahren ist die Labyrinthanästhesie. Dabei wird ein Betäubungsmittel durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell ins Mittelohr eingebracht. Von dort diffundiert die Betäubung ins Gleichgewichtsorgan und beruhigt dort das Gleichgewicht und betäubt dieses. Die Schwindelanfälle lassen sich dadurch reduzieren oder sogar für Jahre ausschalten. Die Methode kann wiederholt werden, Untersuchungen zeigten hinsichtlich der möglichen Gefahr von Hörschäden unterschiedliche Ergebnisse, in der Regel bedeutet diese Therapie aber keine Gefahr für das Hörvermögen. Bei der Anwendung tritt aber infolge der Betäubung des behandelten Gleichgewichtsorganes für ein paar Minuten Schwindel auf.


Die Tenotomie

Die Tenotomie ist eine ebenfalls sichere Maßnahme, bei der in ambulanter Sitzung das Trommelfell vorgeklappt wird und es werden dann die Mittelohrmuskeln (Musculus stapedius und Musculus tensor tympani) durchtrennt. Die Operation wird üblicherweise ambulant und auch in örtlicher Betäubung durchgeführt. Insbesondere der Wiener Arzt Prof. Franz hat sich um diese ungefährliche Operationsmethode verdient gemacht. Er hat die so behandelten Patienten genau untersucht und konnte eine Wirksamkeit in 70% nachweisen. Dies bestätigt sich auch in unserer Praxis. Die Ursache der Wirksamkeit dieser ungefährlichen Operationsmethode ist nicht ganz klar. Sie führt vermutlich über eine Druckminderung des Innenohres zu einer Heilung.

Die Saccotomie

Die Saccotomie zählt zu den ältesten operativen Behandlungsmöglichkeiten des Morbus Meniere. Grundlage dieser chirurgischen Behandlungsmethode ist die Tatsache, dass das Wasserreservat des Innenohres an der Schädelbasis fest von Knochen umgeben ist und sich somit bei Druckerhöhung nicht ausdehnen kann. Nun ist gerade diese Druckerhöhung im Wassersystem des Innenohres eine Ursache der Schwindelanfälle.
Bei dieser Operationsmethode wird deshalb durch einen operativen Zugang hinter dem Ohr das Wasserreservat aufgesucht und es von der Knochenschale befreit so das es sich bei Druckerhöhungen im Innenohr ausdehnen kann. In geübter Hand ist diese Operationsmethode ungefährlich und entspricht einer normalen Operation des Mittelohres. Die Besonderheit bei dieser Behandlungsmethode ist, dass das Hörvermögen erhalten bleibt.


Die Gentamycinbehandlung

Sollten die vorgehenden Maßnahmen ebenfalls nicht zum Erfolg führen, so käme die Gentamycinbehandlung in Betracht. Gentamycin ist eine innenohrtoxische Substanz die das Gleichgewichtsorgan und das Hörorgan schädigen können. Bei Morbus Meniere wird dieser "Schädigende" Einfluss auf das Gleichgewichtsorgan zu Nutze gemacht. Es ist möglich, dass das Gentamycin die Überaktivität der Gleichgewichtszellen soweit herabsetzt, dass die Schwindelanfälle aufhören. Nebeneffekt dieser Therapie kann ein Hörverlust durch die Schädigung der Hörsinneszellen sein, oder ein gänzlicher Ausfall des Gleichgewichtsapparates. Letzteres führt dann auch zu einem Schwindel der durch ein entsprechendes Schwindeltraining abtrainiert werden muss. Diese beiden Komplikationen erfordern, dass die Gentamycinbehandlung nur in der Hand des Spezialisten durchgeführt wird um sie zu vermeiden. Diese Substanz wird z.B. über ein liegendes Paukenröhrchen, oder aber auch über einen zuvor eingebrachten kleinen Katheter in das Mittelohr eingebracht. Die Dosierung richtet sich nach einem individuellen Protokoll und auch nach der Aktivität des Gleichgewichtsapparates. Dies kann bei einem Gleichgewichtstest gemessen werden.



Die Durchtrennung des Gleichgewichtsnerven ( Neurektomie d. Nervus vestibularis).

Sollten alle vorstehenden Maßnahmen nicht geholfen haben, d.h. der Patient leidet immer noch unter wiederholten Schwindelanfällen, kommt nur die Durchtrennung des Gleichgewichtsnerven in Frage. Mit den heutigen operativen Möglichkeiten ist diese Maßnahme nur noch selten von den gefürchteten Komplikationen wie Ertaubung des Ohres und eine Verletzung des Gesichtsnerven begleitet. Trotzdem stellen diese Komplikationen naturgemäß ein höheres Risiko dar, weshalb diese Maßnahme am Ende dieses Konzeptes steht. Der operative Aufwand ist zudem deutlich höher als bei den anderen Maßnahmen. Auch dieser Schritt führt zu einem Ausfall des Gleichgewichtssystems, was nach der Operation zu einem abklingenden Dauerschwindel führt, der durch ein spezielles Training beseitigt werden muss. Dieser Ausfallsschwindel ist jedoch insbesondere bei älteren Patienten und bei Patientin die schon lange Zeit über diese Schwindelanfälle leiden mussten, schwieriger abzutrainieren. Diese Operation bleibt aufgrund des Aufwandes und der notwendigen speziellen Erfahrung des Operateurs nur speziellen Zentren vorbehalten.


Spezielle konservative Verfahren:

Hier ist das Meniettgerät der Fa. Medtronic® zu nennen. Dieses Gerät verursacht bei der Anwendung unterschiedliche Druckerhöhungen und -Minderungen die über das Trommelfell auch auf das Innenohr weitergeleitet werden. Die Hersteller empfehlen ein Üben mit Hilfe dieses Gerätes über einen Zeitraum von ca. 4 Wochen. Bei einer Vielzahl von Patienten mit Morbus Meniere hat diese Maßnahme ebenfalls zu einer Beseitigung der Schwindelanfälle beigetragen. Das Gerät ist aber mit über 2000.- Euro sehr teuer. In unserer Praxis wird es deshalb gelegentlich für eine Unkostengebühr dem betroffenen Patienten ausgeliehen, damit er es sich nicht selber kaufen muss.


Die Selbsthilfe
Erfreulicherweise haben sich in vielen größeren Städten Selbsthilfegruppen gegründet, die dem Erfahrungsaustausch dienen und auch unter dem Motto "geteiltes Leid ist halbes Leid" sehr zu empfehlen sind. Überregional und deutschlandweit hat sich die K.I.M.M. (www.kimm-ev.org) hervorgetan, die auch entsprechende Tagungen organisiert. Auch die
Deutsche Tinnitusliga steht mit Rat und Tat zur Seite, da viele Menièrepatienten wegen der Hörstörungen auch unter Tinnitus leiden.


Wo finde ich den "richtigen" Arzt?
Gerade für diese Frage sind die Selbsthilfeorganisationen geeignet. Hier sammeln sich die Berichte der Betroffenen und man kennt die Ärzte und Kliniken, die sich mit diesem Krankheitsbild seriös befassen und Erfahrung - auch operatives Geschick - haben.


Die Frage nach den Behandlungskosten

Grundsätzlich ist der M. Menère ein Krankheitsbild, dessen Diagnostik, Behandlung und Betreuung (noch!) von den Krankenkassen übernommen wird.
Für spezielle Diagnostische Maßnahmen, wie z.B. das Gespräch mit einem speziell geschulten Psychologen oder die Diagnostik des Kauapparates kann ein Eigenanteil notwendig werden. Dies ist sehr abhängig von der betreuenden Praxis bzw. Klinik und ihrer Ausbildung.
Der Betrag hierfür sollte unter 200€ liegen.
Bei den operativen Maßnahmen muß extra bezahlt werden für die Tenotomie, da hierbei ein Laser eingesetzt wird und für die Labyrinthanästhesie. Beides sind keine Kassenleistungen.
In unserer Praxis belaufen sich die Kosten auf 110€ für die Tenotomie und 160€ für die Labyrinthanästhesie.
Leider herrscht eine zunehmende Unsicherheit bei den Krankenkassen und den noch kasssenärztlich behandelnden Ärztinnen und Ärzten bezüglich der Bezahlung neuer und/oder besonderer Diagnostik- und Therapieverfahren.
Grundlage ist aber immer noch kassenärztliche Behandlung, darauf sollte geachtet werden.