Morbus Menière |
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Von
Dr. med Eberhard Biesinger Facharzt für HNO-Heilkunde Maxplatz 5 D-83278 Traunstein |
Bei der Menièr´schen Erkrankung handelt es sich um ein fest umschriebenes Krankheitsbild mit den Symtomen Druckgefühl im Ohr, Drehschwindel über Stunden einschließlich Erbrechen und zunehmender Schwerhörigkeit des betroffenen Ohres. Eine Variante des Morbus Menière ist das sogenannte Lermoyez-Syndrom, wobei die Patienten während des Drehschwindelanfalles eine Hörverbesserung beschreiben. Die genaue Ursache des Krankheitsbildes ist nicht bekannt, jedoch ist man sich heute sicher, daß die Auslösung der Schwindelanfälle und auch die Ursache der Schwerhörigkeit in einem sogenannten Hydrops des Innenohres, also einer pathologischen Druckerhöhung der Innenohrflüssigkeit zu suchen ist. Da man diese Pathomechanismen hierfür sehr gut kennt, besteht ein klares Konzept zur Behandlung des Morbus Menière. Oft beginnt die Krankheit mit einer Störung im Tieftonbereich und dem Anzeichen von Ohrdruck, bis dann die ersten Schwindelanfälle auftreten.
Wichtig: Halswirbelsäule, Kiefergelenk und "Psyche" Nach einer geglückten medizinischen Behandlung mit Beseitigung der Drehschwindelanfälle bleiben diese Probleme nicht selten zurück. Der Patient selbst kann sein Befinden dann meist nicht richtig ausdrücken, für ihn besteht weiterhin eine Unsicherheit, die gerne auch als "Schwindel" dargestellt wird. Dieser "Schwindel" ist jedoch unbestimmt und ganz anders als der für die Menièr´sche Krankheit typische Drehschwindel! Er ist Ausdruck der genannten Unsicherheit im psychischen Bereich und nur gut zu verstehen, da die Patienten oft jahrelang diesen als lebensbedrohlich empfundenen Attacken ausgesetzt waren. Aus diesem "Restzustand" nach Beseitigung der Drehschwindelanfälle resultiert nicht selten der Eindruck, die medizinische Behandlung hätte "versagt". Eine genaue Analyse der Symptome und eine psychologische Diagnostik durch speziell für diese Thematik geschulte Psychologen zeigt die Problematik schnell und gibt klare Handlungsstrategien, damit der Patient wieder zu einem normalen, unbeschwerten Leben im privaten und beruflichen Bereich zurückfinden kann. Spezielle Behandlungsverfahren Ist die Menièr´sche Krankheit richtig ausgebrochen und
haben die medikamentösen Behandlungen nicht die Schwindelanfälle
beseitigen können, setzt ein Stufenplan ein, der je nach Stadium
der Erkrankung und der Anfallshäufigkeit die folgenden Maßnahmen
beinhalten kann. Die Anlage eines Paukenröhrchens Es mag irritierend erscheinen, aber bereits die Einlage eines Paukenröhrchens in das Trommelfell bringt manchen Patienten eine dauerhafte Beseitigung der Gleichgewichtsstörungen. Diese kleine Maßnahme kann mit örtlicher Betäubung durchführen. Das liegende Paukenröhrchen kann dann auch eleganterweise benutzt werden um Medikamente in das Mittelohr zu geben. Die Labyrinthanästhesie Ein neues Behandlungsverfahren ist die Labyrinthanästhesie. Dabei wird ein Betäubungsmittel durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell ins Mittelohr eingebracht. Von dort diffundiert die Betäubung ins Gleichgewichtsorgan und beruhigt dort das Gleichgewicht und betäubt dieses. Die Schwindelanfälle lassen sich dadurch reduzieren oder sogar für Jahre ausschalten. Die Methode kann wiederholt werden, Untersuchungen zeigten hinsichtlich der möglichen Gefahr von Hörschäden unterschiedliche Ergebnisse, in der Regel bedeutet diese Therapie aber keine Gefahr für das Hörvermögen. Bei der Anwendung tritt aber infolge der Betäubung des behandelten Gleichgewichtsorganes für ein paar Minuten Schwindel auf.
Die Tenotomie ist eine ebenfalls sichere Maßnahme, bei der in ambulanter Sitzung das Trommelfell vorgeklappt wird und es werden dann die Mittelohrmuskeln (Musculus stapedius und Musculus tensor tympani) durchtrennt. Die Operation wird üblicherweise ambulant und auch in örtlicher Betäubung durchgeführt. Insbesondere der Wiener Arzt Prof. Franz hat sich um diese ungefährliche Operationsmethode verdient gemacht. Er hat die so behandelten Patienten genau untersucht und konnte eine Wirksamkeit in 70% nachweisen. Dies bestätigt sich auch in unserer Praxis. Die Ursache der Wirksamkeit dieser ungefährlichen Operationsmethode ist nicht ganz klar. Sie führt vermutlich über eine Druckminderung des Innenohres zu einer Heilung. Die Saccotomie Die Saccotomie zählt zu den ältesten operativen Behandlungsmöglichkeiten
des Morbus Meniere. Grundlage dieser chirurgischen Behandlungsmethode
ist die Tatsache, dass das Wasserreservat des Innenohres an der Schädelbasis
fest von Knochen umgeben ist und sich somit bei Druckerhöhung
nicht ausdehnen kann. Nun ist gerade diese Druckerhöhung im Wassersystem
des Innenohres eine Ursache der Schwindelanfälle. Die Gentamycinbehandlung Sollten die vorgehenden Maßnahmen ebenfalls nicht zum Erfolg führen, so käme die Gentamycinbehandlung in Betracht. Gentamycin ist eine innenohrtoxische Substanz die das Gleichgewichtsorgan und das Hörorgan schädigen können. Bei Morbus Meniere wird dieser "Schädigende" Einfluss auf das Gleichgewichtsorgan zu Nutze gemacht. Es ist möglich, dass das Gentamycin die Überaktivität der Gleichgewichtszellen soweit herabsetzt, dass die Schwindelanfälle aufhören. Nebeneffekt dieser Therapie kann ein Hörverlust durch die Schädigung der Hörsinneszellen sein, oder ein gänzlicher Ausfall des Gleichgewichtsapparates. Letzteres führt dann auch zu einem Schwindel der durch ein entsprechendes Schwindeltraining abtrainiert werden muss. Diese beiden Komplikationen erfordern, dass die Gentamycinbehandlung nur in der Hand des Spezialisten durchgeführt wird um sie zu vermeiden. Diese Substanz wird z.B. über ein liegendes Paukenröhrchen, oder aber auch über einen zuvor eingebrachten kleinen Katheter in das Mittelohr eingebracht. Die Dosierung richtet sich nach einem individuellen Protokoll und auch nach der Aktivität des Gleichgewichtsapparates. Dies kann bei einem Gleichgewichtstest gemessen werden. Die Durchtrennung des Gleichgewichtsnerven ( Neurektomie d. Nervus vestibularis). Sollten alle vorstehenden Maßnahmen nicht geholfen haben, d.h. der Patient leidet immer noch unter wiederholten Schwindelanfällen, kommt nur die Durchtrennung des Gleichgewichtsnerven in Frage. Mit den heutigen operativen Möglichkeiten ist diese Maßnahme nur noch selten von den gefürchteten Komplikationen wie Ertaubung des Ohres und eine Verletzung des Gesichtsnerven begleitet. Trotzdem stellen diese Komplikationen naturgemäß ein höheres Risiko dar, weshalb diese Maßnahme am Ende dieses Konzeptes steht. Der operative Aufwand ist zudem deutlich höher als bei den anderen Maßnahmen. Auch dieser Schritt führt zu einem Ausfall des Gleichgewichtssystems, was nach der Operation zu einem abklingenden Dauerschwindel führt, der durch ein spezielles Training beseitigt werden muss. Dieser Ausfallsschwindel ist jedoch insbesondere bei älteren Patienten und bei Patientin die schon lange Zeit über diese Schwindelanfälle leiden mussten, schwieriger abzutrainieren. Diese Operation bleibt aufgrund des Aufwandes und der notwendigen speziellen Erfahrung des Operateurs nur speziellen Zentren vorbehalten. Spezielle konservative Verfahren: Hier ist das Meniettgerät der Fa. Medtronic® zu nennen. Dieses Gerät verursacht bei der Anwendung unterschiedliche Druckerhöhungen und -Minderungen die über das Trommelfell auch auf das Innenohr weitergeleitet werden. Die Hersteller empfehlen ein Üben mit Hilfe dieses Gerätes über einen Zeitraum von ca. 4 Wochen. Bei einer Vielzahl von Patienten mit Morbus Meniere hat diese Maßnahme ebenfalls zu einer Beseitigung der Schwindelanfälle beigetragen. Das Gerät ist aber mit über 2000.- Euro sehr teuer. In unserer Praxis wird es deshalb gelegentlich für eine Unkostengebühr dem betroffenen Patienten ausgeliehen, damit er es sich nicht selber kaufen muss.
Grundsätzlich ist
der M. Menère ein Krankheitsbild, dessen Diagnostik, Behandlung
und Betreuung (noch!) von den Krankenkassen übernommen wird.
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